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Wie Gina Reyes Marquardt zum Zigarren Rollen fand – Ein Interview über Herkunft und Handwerk


Zigarren rollen auf ein Event

Die Kunst des Zigarrenrollens im Blut


„Ich wollte eigentlich nur Ruhe – und stolperte direkt in die Welt der Zigarren.“


Gina Reyes Marquardt, 36 Jahre alt, geboren in der Dominikanischen Republik und aufgewachsen in Deutschland, gibt in diesem Interview Einblicke in ihr Leben, ihre Familientradition und ihren Weg in ein Handwerk, das zufällig begann – im kühlen Keller eines Hauses in Frankfurt.


Der Aficionado fragt: So Gina… wie bist du eigentlich zum Zigarren rollen gekommen und wo hast du das Handwerk gelernt?


Gina:

Alles begann, als ich etwa zwölf Jahre alt war. Wir lebten in Frankfurt-Oberrad in einem Haus mit einem kühlen Gewölbekeller. Und ehrlich gesagt: Ich wollte dort unten einfach nur meine Ruhe haben, Manga lesen und dem Verpflichtungen entkommen, oben im Haus hatte Anfangs niemand vermutet, dass ich mich dort verstecke.


Dort arbeitete Herminio Boitel, ein Zigarrenroller, der für Events meiner Eltern engagiert war, man konnte sozusagen Ihn als Zigarrenroller für Events bei meinen Eltern buchen.

Er war ein unglaublich warmherziger Mensch — Gott hab ihn selig.

Eines Tages sah er mich und sagte: „Wenn du schon die ganze Zeit hier unten sitzt… dann hilf mir doch ein bisschen.“

Und so kam ich Schritt für Schritt ins Handwerk hinein. Ich bereitete Tabakblätter vor, lernte die Unterschiede der Sorten und beobachtete Herminio stundenlang.

Was die Aromen angeht, war ich ein Naturtalent: Die habe ich einfach von selbst erkannt. Schon als Kind hatte ich ein feines Gespür für Gerüche.


Und irgendwann sagte Herminio zu mir:

„Gina, du gehörst zur Familie De los Reyes, die das seit Generationen in der Dominikanischen Republik macht.“

Damals war mir das als Kind gar nicht bewusst. Heute weiß ich: Es war der erste Hinweis, es ist Teil meiner DNA.


Aficionado fragt: Und wenn man dich heute um Zigarren zu rollen für ein Event bucht… worauf sollte man achten?


Gina: Eigentlich ist es super unkompliziert – ein paar Dinge helfen aber sehr:

  • Tisch & Stuhl bereitstellen, damit ich bequem mit dem Zug anreisen kann

  • Strom & eine Lampe, falls die Location dunkel ist

  • Winter: bitte drinnen

  • Sommer: nicht in der prallen Sonne

  • Ein großer Tisch mit Husse wirkt professioneller

Alles andere bringe ich selbst mit.


Aficionado sagt: Das klingt wirklich einfach — ein paar Rahmenbedingungen und du machst den Rest.


Der Aficionado fragt: Gina, welche typischen Fragen oder Kommentare hörst du ständig auf Events beim Zigarren rollen?


Gina: Oh, da gibt es wirklich ein paar Klassiker.

Klassiker Nr. 1

„Ich habe gehört, Zigarren werden in Wirklichkeit auf den Schenkeln von Jungfrauen gerollt!“

Da muss ich immer innerlich lachen. Ich antworte dann meist:

„Sehr gutes Marketing.“ oder — wenn ich Spaß mache: „Für 1.000 € rolle ich eine auf meinem Schenkel – ;-) !“

Klassiker Nr. 2

„Ah, du kommst aus Kuba, oder?“

Dann sage ich:

„Nein, ich bin keine kubanische Zigarrenrollerin, ich komme aus der Dominikanische Republik.“

Und erkläre kurz:

  • Die DR rollt mehr Zigarren als Kuba

  • Dort rollt man paarweise (400–600/Tag)

  • In Kuba rollt man alleine (90–130/Tag)

  • Und ja: Es gibt helle Dominikaner

Viele sind überrascht — aber ich kläre das gerne auf.

Klassiker Nr. 3

„Welchen Kleber benutzt du da eigentlich?“Diese Frage kommt erstaunlich oft. Meine Antwort: „Ich benutze einen Klebstoff, der in der Tabakindustrie ganz üblich ist — Bermocoll.“ Er ist geschmacksneutral, sicher und exakt für Tabakblätter geeignet.


Aficionado fragt: Gab es ein Event, das dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?


Gina: Ja, zwei sogar.

1. Die Hochzeit in Chorefto, also in Griechenland

Ein lateinamerikanisches Thema, Strand, Farben, Musik…Für mich, wie ein Märchen. Und ja — mein Freund hat jetzt ein Problem: Unsere Hochzeit muss mindestens genauso gut werden. ;-D

2. Die Events mit „The Clumsies“ in Athen

Eine der bekanntesten Bars der Welt. Pure Energie, großartige Menschen, unvergessliche Atmosphäre.


Der Aficionado fragt: Was liebst du am meisten an deinem Beruf?


Gina: Ich liebe es, Menschen genießen zu sehen. Diese Gesichter, wenn sie eine frisch gerollte Zigarre riechen oder probieren — das ist mein Highlight.

Und am schönsten ist für mich: Ich führe eine Familientradition weiter, die über ein Jahrhundert alt ist. Das macht mich stolz.


Afcionado fragt: Und Gina… wenn jemand das Zigarren rollen selbst lernen möchte – was empfiehlst du?


Gina: Ganz einfach:

In Frankfurt zeige ich die Grundlagen – praxisnah, entspannt und für jeden geeignet.


Am Ende

des Gesprächs wird deutlich: Ginas Handwerk ist nicht nur Technik — sondern Verwurzelung, Erfahrung, Familientradition und eine große Portion Herz.

Wer ihr beim Arbeiten zusieht, erkennt sofort die Leidenschaft, die in ihrer Familie seit Generationen weitergegeben wird.

Ihr letzter Satz:

„Kommt zu einem meiner Workshops – jeder kann die Basics lernen.“

Damit endet dieses Interview,

doch Ginas Geschichte lebt in jeder Zigarre weiter, die durch ihre Hände entsteht.

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